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Weltwoche Sondernummer zur ADC-Prämierung, Januar 2010.

Danielle Lanz und Markus Ruf:
Mit der Werbung verheiratet.

Danielle Lanz und Markus Ruf sind das Traumpaar der Schweizer Werbung. Sieben Jahre waren sie auch privat ein Paar. Heute verbindet sie ihre Leidenschaft für herausragende Werbung. Ein offenes Gespräch.

Danielle:
«Wir lernten uns anfangs der Neunziger Jahre bei Farner Publicis kennen. Ich war 23 Jahre alt und trug Blümchenkleider, und Markus wie viele Werber in dieser Zeit einen Schnauz. Markus und ich machten zusammen Werbung für Swatch, und wir merkten schnell, dass wir ähnlich tickten. Beiläufig erwähnte ich mal, dass ich Männer mit Schnauz nicht so attraktiv fände. Als sein Schnauz einen Tag später wegrasiert war, merkte ich, dass sein Interesse übers Geschäftliche hinaus geht.»

Markus:
«Mir gefiel – nebst ihrem lolitahaften Aussehen – ihre Frische und ihr unbekümmertes Talent. Sie hatte ihren eigenen Kopf und entwickelte beharrlich Ideen, während die meisten anderen Grafiker sich nur darüber beklagten, dass sie noch nicht Art Director waren, aber kaum etwas taten, um dies zu ändern. Ich schlug dem damaligen CD Claude Martin vor, dass die neue und ich ein Kreativteam bilden. Natürlich nicht ganz uneigennützig. Denn ich wusste, dass sie vorher mit Markus Gut zusammen war, also eher auf den intellektuellen Typ steht.» (lacht)

Danielle:
«Das stimmt. An Markus gefiel mir sein schneller Kopf, sein Humor und seine Unbeugsamkeit. Und sein Testosteron (lacht). Alles, was er machte, tat er mit grosser Leidenschaft. Genervt hat mich hingegen, dass er mir, als wir zusammen waren, im Bett regelmässig seine neusten Ideen vorgelesen hat.» 

Markus:
«Mich hat vor allem genervt, dass sie dabei regelmässig eingeschlafen ist. Wir haben Beruf und Beziehung nicht getrennt, alles floss ineinander. Heute ist das wohl nur schwer vorstellbar. Es vergehen ja keine fünf Minuten mehr in einem Bewerbungsgespräch, bis das Wort ‹Work-Life-Balance› fällt.» 

Danielle:
«Nur in den Ferien konnten wir prima abschalten. Mit den Jahren zeigte sich, dass uns vor allem der Job verbindet, wir aber darüber hinaus zuwenig Gemeinsamkeiten hatten für eine dauerhafte Liebesbeziehung.»

Markus:
«Als Danielle das realisiert hat, hat sie zuerst versucht, mich für mehr gemeinsame Unterfangen zu begeistern, wie zum Beispiel zusammen Kaffee trinken im Sprüngli oder ausgedehnte Bergwanderungen. Ich aber wollte am Sonntagnachmittag lieber ins Kino oder T. C. Boyle lesen. Irgendwann gab’s keinen Konsens mehr – und es kam zur Trennung.»

Danielle:
«Markus ist dann drei Monate durch Vietnam gereist, um sich etwas abzulenken. In dieser Zeit bin ich aus der gemeinsamen Wohnung an der Kuttelgasse ausgezogen.»

Markus:
«Als ich zurück kam, sah es in der Wohnung aus wie im Restpostenverkauf eines Möbelgeschäfts. Danach folgte ein Jahr, in dem wir uns gegenseitig hätten auf den Mond schiessen können.»

Danielle:
«Ich dich sogar auf den Mars!»

Markus:
«Zur Strafe hat sie mir laufend Ratgeber-Literatur geschenkt, wie ‹Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus.› Erst 1½ Jahre nach der Trennung begannen wir wieder, vernünftig miteinander zu reden. Also ganze Sätze zu bilden, in denen weder ‹Zicke› noch ‹Macho› vorkamen. Mit der Zeit entdeckten wir, dass wir immer noch leidenschaftlich gern zusammen Ideen ausheckten.» 

Danielle:
«Zu dieser Zeit suchte ich nach einer neuen Herausforderung. Ich traf mich mit möglichen Partnern für eine Agenturgründung und landete schliesslich bei Markus, der ähnliche Pläne hegte. Zuhause bei ihm reifte der Plan, es gemeinsam zu wagen. Ich wollte das Risiko einer eigenen Agentur mit jemandem teilen, den ich gut einschätzen konnte und bei dem ich wusste, dass er dieselbe Energie in die Firma einbringen würde wie ich.»

Markus:
«Der Zeitpunkt passte: Ich war gerade Werber des Jahres geworden, Danielle war’s ein Jahr vorher. Das gab auch grossen Auftraggebern eine Legitimation, uns neben den etablierten Agenturen zum Pitch einzuladen und mal zu sehen, was die zwei bringen. Im Juli 2001 starteten wir. Wir knieten uns voll rein …»

Danielle:
«… und gewannen innert sechs Monaten die VBZ und die Suva als Kunden, als David gegen die Goliaths der Branche. Beide Kunden betreuen wir übrigens bis heute.»

Markus:
«Interessant waren die Reaktionen der Kollegen aus der Kreativszene. Die erklärten mich schlicht für verrückt, eine Agentur mit der Ex zu gründen. Die Meinung war einstimmig: Danielle und ich würden uns zerfleischen, und in spätestens zwei Jahren sei die Agentur ein Scherbenhaufen. Mittlerweile gibt es Ruf Lanz im neunten Jahr. Ich habe alle Wetten gewonnen.»