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NZZ, 19. Januar 2006.

Markus Ruf:

Mit einem Katarrh zur Krone der Kreativen.

Und der Sieger ist: Markus Ruf. Dies hatte es, frei nach der Vorwahl von Oscar-Verleihungen, schon bei der Kürung des landesweit bestenWerbers des Jahres 2000 geheissen. Damals war Ruf als erster freischaffender Kreativer mit dem Titel ausgezeichnet worden. Nun hat er, mittlerweile Mitinhaber der Zürcher Agentur Ruf Lanz, nachgedoppelt: Er vereinte rund einen Viertel der Stimmen auf sich, welche die Leser der Fachpublikation «Werbewoche» abgegeben hatten, und stach damit in der Endrunde fünf (Mitbe-)Werber aus.

Für seine Wahl zum «Werber des Jahres 2006» gebührt Ruf nebst viel Ehre und Publizität ein «Egon», wie die eigens für den Wettbewerb kreierte Statuette heisst. Mag das darin anklingende «Ego» gemäss landläufiger Meinung bei manchen in der Branche stark ausgeprägt sein, so entspricht der als unkonventioneller Denker geltende Markus Ruf einem ganz anderen Bild: Freundlich und unaufgeregt stellte er sich am Mittwochmorgen bei der Medienorientierung den Fragen. Als er mit stark belegter Stimme zu seinen Ausführungen anhob, erinnerte er an einen schmächtigen Studenten nach durchzechter Nacht. Nicht langes Feiern jedoch, sondern ein erkältungsbedingter Katarrh kratzte in seinem Hals.

Vor knapp fünf Jahren gründete Markus Ruf zusammen mit Danielle Lanz, der Werberin des Jahres 1999, die Zürcher Agentur Ruf Lanz. Der kombinierte Firmenname ist weitherum zum Qualitätsbegriff geworden. Einen Teil seiner Inspiration holt sich der 42-jährige gelernte Schriftsetzer und typografische Gestalter bei Kinobesuchen, denen er nach eigenen Angaben exzessiv frönt. Bildgewaltige Regisseure wie Stanley Kubrick haben es ihm besonders angetan; Jim Jarmuschs jüngster Wurf, «Broken Flowers», bringt ihn ins Schwärmen. Bei der Werbung hält Ruf indes den Überraschungseffekt für entscheidend. Ohne diesen werde sie vom Publikum schlicht nicht wahrgenommen, ist er überzeugt. Über ein solches Defizit kann sich das Team von Ruf Lanz nicht beklagen, das in jüngster Vergangenheit Kampagnen für VBZ, Bank Coop und NZZ Folio ersann. Über 500 nationale und internationale Auszeichnungen führt Ruf in seiner Sammlung, wie zu erfahren war.

Diese Flut wird zwar durch Rufs Einschätzung relativiert, dass die Branche von einer Inflation an Preisen überschwemmt werde. Allerdings hat das Büro Ruf Lanz einige der renommiertesten Ehrungen erhalten. Aus Cannes führte es letztes Jahr drei «Löwen» heim. Und der Spot, in dem Bewohner des Blindenwohnheims Mühlehalde hinreissend dissonante Versionen eines Stevie-Wonder-Hits in die Kinosäle schmettern, holte Gold bei den New York Festivals und den London Festivals. Gestern ist eine weitere Auszeichnung hinzugekommen: Der von Ruf Lanz erstellte Suva-Spot, in dem eine aus Horrorfilmen bekannte Maske zum Velohelm mutiert, ist von der Leserschaft der «Werbewoche» und des Magazins «TV-Star» zur Schweizer Kampagne des Jahres gewählt worden. Diese Auszeichnung und den Werber des Jahres hat die Branche am Mittwochabend bei der Preisverleihung im «Kaufleuten» ausgiebig gefeiert.