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Werbewoche, 1. September 2014.

Wofür würden Sie niemals werben?

13 Fragen an… Markus Ruf

Welche Kampagne ihn inspiriert hat, in die Werbebranche einzusteigen und was er von Duftkerzen hält, verrät Markus Ruf, Mitinhaber und Creative Director von Ruf Lanz, in unserer Serie «13 Fragen an…».

Sie könnten Ihr Smartphone einen Tag lang mit einer anderen Person tauschen. Würden Sie? Und falls ja, mit wem?

Mit dem Autor Peter Brown Hoffmeister, dem wahrscheinlich letzten Menschen ohne Handy. Er würde eine neue Erfahrung machen, und ich könnte einen Tag lang ungestört arbeiten.

Für was würden Sie eine Woche lang gratis arbeiten?

Nur für wohltätige Unternehmen, die keine Mittel haben, aber den Mumm, etwas zu bewegen. So war’s beim Blindenwohnheim Mühlehalde, bei der Stiftung Tier im Recht und beim Autismus Forum Schweiz.

Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?

Eine Duftkerze. Auch wenn Danielle es immer wieder versucht.

Wofür möchten Sie am liebsten werben?

Wir gehen weniger vom Produkt aus als von den Entscheidern. Ein Schraubenhersteller mit einem CEO, der offen ist für frische, unkonventionelle Ideen, ist interessanter als ein hypes Produkt mit einer überstrukturierten, alles nivellierenden Marketingabteilung.

Wo und wie haben Sie in Ihrem Leben schon einmal geblufft?

Im ersten Lehrjahr zum Typographen habe ich regelmässig Protz-Visitenkarten gedruckt für mich und meine Kollegen, mit Titeln wie Jumbopilot, Fussballprofi oder Stuntman. Unsere Zielgruppe waren die Blondinen in den süddeutschen Discos.

Wofür würden Sie unter keinen Umständen werben?

Für Werbeverbote.

Was ist für Sie die momentan grösste Herausforderung für die Werbung?

Es herrscht ein bisschen viel Hype um neue Medienkanäle. Doch all diese neuen Kanäle können die Ideen nicht ersetzen. Im Gegenteil! Durch die Digitalisierung sind die Menschen je länger je mehr in der Lage, unerwünschte Werbung einfach rauszufiltern. Das heisst, dass die Werbung so interessant gedacht und gemacht sein muss, dass die Menschen sie gerne freiwillig anschauen und idealerweise sogar mit anderen teilen. Der zündende Einfall wird in Zukunft also noch wichtiger.

Ein Buzz-Wort, das Ihnen auf die Nerven geht?

Promi! Das inflationärste Wort unserer Zeit. Die schönste Schlagzeile dazu lieferte neulich der Blick: «Börni Höhn heisst jetzt Vava Voom.» Ich tippte auf Ex-Bachelor-Kandidatin. Fehlanzeige: Ex-Musicstar-Viertplatzierte.

Die beste Eigenwerbung?

Wenn man für seine Kunden über einen langen Zeitraum gute Werbung macht.

Worauf können Sie unmöglich verzichten?

Auf Fotokunst. Der tschechische Künstler Miroslav Tichy hat es sehr poetisch gesagt: «Fotografieren ist Malen mit Licht.»

Was hat Sie inspiriert, in die Werbebranche einzusteigen?

Die Toni-Joghurt-Kampagne von Aebi & Partner anfangs der 80er Jahre. So intelligente, unterhaltsame Werbung wollte ich auch machen!

Welchen Werbeträger finden Sie abscheulich?

Die Velokuriertaschen. Man sieht sie als Fussgänger immer erst, nachdem man beinahe überfahren worden ist – suboptimal fürs Erfassen einer Werbebotschaft.

Was wollen Sie unbedingt erreichen?

Den Zug um 22.04 Uhr. Darum ist hier Schluss.

  

Markus Ruf ist Mitinhaber und Creative Director der Zürcher Werbeagentur Ruf Lanz. Er gründete die Agentur im Jahr 2001 zusammen mit Danielle Lanz. Ruf Lanz gehört zu den kreativsten Adressen der Schweiz. Zum Kundenportfolio gehören die VBZ, die Suva, die Schweizer Milchproduzenten, Bank Coop, Migros (Delizio Kaffee), die Swiss Deluxe Hotels, das Gastrounternehmen Hiltl u. v. a. Markus Ruf ist zweifacher Werber des Jahres. Seine Arbeiten wurden national und international unzählige Mal ausgezeichnet.